Sonntag 21. Oktober 2018

Inhalt:

Jakob Glashüttner, ehem. szenischer Produktionsleiter der Grazer Oper

 

Jakob Glashüttner, ehem. szenischer Produktionsleiter der Grazer Oper







» Was hat Sie motiviert, wieder in die Kirche einzutreten?

 

Die Initialzündung ging von Papst Benedikt XVI. aus, den ich vor einigen Jahren bei einer Rede im Fernsehen gehört habe. Seine Worte haben mich elektrisiert: Sie waren authentisch und intelligent. Ich wollte mehr wissen, ich habe gespürt, dass ich mich mit der Gottesfrage nochmals auseinandersetzen will. So habe ich mir Bücher von Joseph Ratzinger gekauft und begonnen, zu lesen. Das Wissen über Gott und die Kirche, das ich von ihm gelernt habe, hat in mir eine tiefe Sehnsucht geweckt, dabei zu sein.

 

» Was waren die nächsten Schritte?

 

Für mich war und ist der rationale Zugang sehr wichtig. Deshalb habe ich mich in den Büchern intensiv mit dem christlichen Glauben auseinander gesetzt: Mit Jesus, seinem Leben und seiner Bedeutung, dem Petrusamt, dem Lehramt der Kirche und ihrer Hierarchie, mit dem universalen, allumfassenden Wesen der katholischen Kirche, mit der Beziehung des Menschen zu Gott und dem Glauben an die Auferstehung. Für mich war bald klar: Ich möchte dieses Ja zu Jesus Christus in seiner Gemeinschaft, der Kirche, mit all seinen Konsequenzen leben. Dann bin ich zu einem Priester in meiner Diözese Graz-Seckau gegangen und habe ihm gesagt, ich möchte dabei sein. Das war eines meiner schönsten Gespräche.

 

» Warum sind Sie damals aus der Kirche ausgetreten?

 

Ich bin ein geprägter 68er und als ich jung war, war das Augenmerk nicht so sehr auf Jesus Christus und das Reich Gottes gerichtet, sondern auf die Welt. Ich habe die Kirche so wahrgenommen, wie sie schon damals in den Medien dargestellt wurde: ermüdet, lau, nicht relevant. Insofern war der Austritt für mich kein großes Thema. Was mich aber schon lange vor der Idee, in die Kirche einzutreten, beschäftigt hat, war die Frage: Was kann mir die Welt bieten, kann sie wirklich mein letztes Ziel sein?

 

» Was ist die Kirche heute für Sie?

 

Vor allem eines: die Kirche Jesu Christi. Die Gemeinschaft innerhalb der Kirche ist mir ganz wichtig geworden, ich erlebe sie beim gemeinsamen Feiern des Gottesdienstes als mystischen Leib, als Einheit. Die Kirche ist für mich der wirkliche Weg hin zu Christus in seinem ganzen Erlösungswerk, nicht einfach eine moralische Anstalt oder etwas dergleichen. Ich spüre, da wächst etwas in mir, das zum größten Abenteuer meines Lebens wird – das würde ich gerne weiter schenken.

Wolfgang Schneider, Generalmajor in Ruhe

 









» Was hat Sie motiviert, wieder in die Kirche einzutreten?

 

Beruf, Karriere, Erfolg – Ich habe mich plötzlich gefragt, ob das nun alles im Leben gewesen ist. Die Fragen nach dem "Woher?" und dem "Wohin?" haben mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich habe gespürt, dass mir etwas Wesentliches im Leben fehlt. Da ich meinen Glauben nie verloren hatte, auch während der Zeit des Kirchenaustritts nicht, wollte ich mich neu auf die Suche nach Gott machen.

 

» Was waren die nächsten Schritte?

 

Zufällig hatte ich beruflich in Göttweig zu tun. Da habe ich das Plakat für das Wochenende „Ausgetreten und trotzdem gläubig" gesehen, das mich stark angesprochen hat. Diese drei Tage wurden dann zu einer entscheidenden Markierung auf meinem Weg zurück in die Kirche.

 

» Warum sind Sie damals aus der Kirche ausgetreten?

 

Weil ich voll in meinem Beruf aufgegangen bin. Die Kirche war einfach nicht mehr so wichtig und als ich dann noch jährlich Kirchenbeitrag bezahlen sollte, beschloss ich, dass die Mitgliedschaft für mich nicht notwendig ist. An meinem persönlichen Glauben hat das nie etwas geändert: Ich bin gläubig erzogen worden, war als Kind Ministrant und in der Kirche immer gut aufgehoben. Die Erinnerung an diese Erfahrungen hat mich dann auch wieder in die Kirche zurück geführt. Womit ich nie ein Problem hatte waren die Fehltritte einzelner Verantwortlicher der Kirche, denn das passiert in jeder Organisation.

 

» Was haben Sie in der Kirche gefunden, das Ihnen bei Ihrer Suche nach Gott hilft?

 

Vor allem in den Klöstern und Stiften habe ich etwas gefunden, das uns in unserer Gesellschaft völlig abhanden gekommen ist: Ruhe und Stille. Ich erlebe, dass ich Gottes Anruf spüren kann, wenn ich ruhig werde, wenn ich in die Stille gehe. "Luxus Stille" – das ist der Schatz, den ich persönlich in der Kirche gefunden habe. Heute ziehe ich mich mehrmals im Jahr für einige Tage in ein Kloster zurück. Was ich dort bekomme, können mir alle Möglichkeiten und Errungenschaften unserer modernen Gesellschaft nicht geben.

 

» Was ist die Kirche heute für Sie?

 

Die Kirche ist für mich ein Leuchtturm. Sie gibt mir ein Ziel und Orientierung selbst dort, wo es nebelig auf meinem Weg wird. Außerdem ist sie meiner Ansicht nach die letzte Institution, die dem Menschen die Möglichkeit gibt, das wirklich Wesentliche des Lebens wieder zu finden: Gott und dann einen persönlichen inneren Frieden. Viele Menschen sagen, es geht um den Frieden in der Welt. Ich denke, es geht zuerst um den Frieden in der eigenen Seele – dann kann er auch in der Welt sein.



 

 


 

 


» Was hat Sie motiviert, wieder in die Kirche einzutreten?

 

Ich bin ausgetreten und hatte von Anfang an das Gefühl, das stimmt nicht für mich: Ich bin zwar weiterhin in den Gottesdienst gegangen, aber mir ist die Gemeinschaft abgegangen, das Wissen, dazu zu gehören. Anfänglich dachte ich noch, ich würde mich mit der Zeit an diesen Zustand gewöhnen. Das ist aber nicht passiert, ich habe mich außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft einfach nicht wohl gefühlt. Nach vier Jahren habe ich beschlossen, dem ein Ende zu setzen und wieder einzutreten.

 

» Was waren die nächsten Schritte?

 

Ich habe einfach den Schritt zurück in die Kirche gemacht. Kurz danach bin ich auf das Angebot "Ausgetreten und trotzdem gläubig" im Stift Göttweig gestoßen. Das hat mich angesprochen, denn ich wusste: Die Kirche hat sich in diesen vier Jahren, in denen ich ausgetreten war, nicht wesentlich verändert. Also wollte ich meine Einstellung zu ihr ändern. Das ist auch geglückt. Ich kann die Menschen in der Kirche heute mit all ihren Fehlern annehmen und trotzdem das göttliche in der Kirche sehen.

 

» Warum sind Sie damals aus der Kirche ausgetreten?

 

Als junger Mensch habe ich nach dem Konzil geglaubt: Jetzt bekommen wir endlich die Kirche, die wir uns gewünscht haben. Das ist nicht passiert und das hat mich sehr enttäuscht. Dann kamen noch all die altbekannten Geschichten, in denen sich zeigte, dass die Kirche nicht aus vollkommenen Menschen besteht. Heute, da ich älter bin, kann ich das gut verkraften und weiß, dass diese Menschen trotz ihrer Fehler auch positive Seiten haben und hatten. Damals war mir das ein Gräuel und so bin ich ausgetreten. Ich wollte ein Zeichen setzen.

 

» Hat sich an dem, was Sie damals gestört hat, etwas verändert?

 

Ich habe mich verändert: Ich weiß jetzt, dass wir uns die Kirche nicht so machen können, wie wir sie wollen. Die Kirche ist die Kirche Jesu Christi. Und das zeigt sich unter anderem daran, dass sie nach 2000 Jahren immer noch seine Botschaft weiter gibt, trotz der fehlerhaften Menschen, die sie tragen.

 

» Was ist die Kirche heute für Sie?

 

Jene Gemeinschaft, in der ich glauben kann – denn alleine ist glauben einfach nicht möglich, man braucht das gemeinsame Feiern und den Austausch. Deswegen engagiere ich mich sehr aktiv in meiner Pfarrgemeinde und studiere hobbymäßig Theologie. Gemeinsam mit P. Christian leite ich seit einiger Zeit die Wochenenden "Ausgetreten und trotzdem gläubig" im Stift Göttweig: Es ist schön, den Menschen eine Hilfe im persönlichen Glauben anzubieten, ohne dabei Druck auszuüben, wieder in die Kirche einzutreten.

 

Martin Lieb, Unternehmer

 

 

 

 


» Was hat Sie motiviert, wieder in die Kirche einzutreten?

 

Ich wurde von meinen Freunden gefragt, ob ich der Taufpate ihres kleinen Sohnes werden möchte. Das wollte ich gerne, aber dazu gehört nun einmal, dass man in der Kirche ist. Diese Frage meiner Freunde war also der Anlass für mich, einen Wiedereintritt zu überlegen: Ich habe mich dafür entschieden.

 

» Was waren die nächsten Schritte?

 

Ich habe ein Gespräch mit Toni Faber geführt. Wir haben über die Gründe gesprochen, warum ich damals aus der Kirche ausgetreten bin. Ich bin auf Verständnis gestoßen und so war der Weg frei für mich zurück in die Kirche.

 

» Warum sind Sie damals aus der Kirche ausgetreten?

 

Weil mir der Umgang mit sexuellem Missbrauch und den Betroffenen zur Zeit Kardinal Groërs menschenverachtend und bösartig vorkam. Nächstenliebe, die für mich das zentrale an der christlichen Botschaft ist, hatte keinen Platz mehr, wurde von der Kirche nicht mehr gelebt.

 

» Hat sich an dem, was Sie damals gestört hat, etwas verändert?

 

Ja. Vor allem der Umgang mit den jüngsten Missbrauchsskandalen war positiv und vorwärts gerichtet und das hat mir meinen Schritt, wieder einzutreten, sehr erleichtert. Die Kirche hat dazu gelernt, natürlich ist es noch nicht perfekt, aber ich konnte mich mit dem Vorgehen identifizieren. Ich finde auch, dass die österreichische römisch-katholische Kirche die Botschaft der Nächstenliebe heute sehr viel glaubwürdiger lebt, als noch zu der Zeit, als ich ausgetreten bin.

 

» Was ist die Kirche heute für Sie?

 

Die Kirche ist für mich eine Heimat geworden, in der ich mich wohl fühle. Das habe ich auch beim Wiedereintritt gespürt. Dabei zu sein ermöglicht mir vor allem auch, Verantwortung für den Kleinen zu übernehmen. Mir ist der Bub so wichtig: dass er eine gute Erziehung bekommt, dass ich für ihn da sein und ihn durchs Leben begleiten kann. Das kann ich alles als Taufpate. Klar ist: Ich werde nicht zum Superkatholiken mutieren. Das habe ich Toni Faber aber gleich gesagt – und das hat auch niemand von mir verlangt.

 

 

 



Meine Kirche
Pfarren in meiner Nähe

Hier finden Sie alle römisch-katholischen Pfarren in Österreich. Geben Sie dazu einfach die Adresse in das obere Suchfeld ein, in deren Umkreis Sie eine Pfarre finden wollen.
http://eintreten.at/